Just For Fun Tours
Der Weg ist das Ziel

Nordkap Juni 2026

Wir machen es noch einmal. Nachdem Wolfgang all seine Überredungskünste einsetzten musste, um Gerd zu einer Nordkap-Tour zu überreden, war es dieses Mal nicht nötig. Genau 10 Jahre später machen wir es noch einmal. Das Bild mit unseren Motorrädern und der Weltkugel fehlte halt noch und wir hoffen auf passendes Wetter für ein tolles Erinnerungsfoto. Die Route geht über Dänemark, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen. Drei Wochen Zeit für ca. 8.500 km.

Wallenhorst – Viborg, 07.06.2026, 570 km

Da unsere jährliche Fronleichnams-Tour nahtlos in die Nordkap-Tour übergeht starten wir ab Wallenhorst in Niedersachsen. Die drei Tage mit den Jungs haben wie immer großen Spaß gemacht und wir freuen uns schon wieder aufs nächste Jahr.
Aber nun heißt es erst mal Strecke machen. Aber Strecke machen macht schon bei gutem Motorradwetter keinen Spaß. Heute erst recht nicht. Die halbe Zeit hat es in Strömen geregnet. Die Stiefel, Jacke und Hose blieben dicht und waren ihr Geld wert.
Viborg ist eine der ältesten und historisch bedeutendsten Städte Dänemarks und liegt zentral in der Region Midtjylland in Jütland. Die ehemalige Königsstadt hat über 43.000 Einwohner und eine über 1.000 Jahre alte Geschichte. Die Stadt war allerdings wie ausgestorben. Diverse Restaurants waren geschlossen und kaum jemand war in der Fußgängerzone unterwegs.

Viborg – Kristiansand, 08.06.2026, 150 km

Gegenüber 2016 haben wir uns für eine deutlich andere Route zum Nordkap entschieden. Doch zunächst geht es erst mal nach Hirtshals. Die 150 km sind schnell abgespult, da die Verkehrsdichte auch nicht ansatzweise mit Deutschland vergleichbar ist. Wir nehmen am Mittag die Fähre von Hirtshals nach Kristiansand mit der Fjord Line. Die Überfahrt mit dem Katamaran dauert nur ca. zweieinhalb Stunden.
In Norwegen erwartet uns dann wieder Regen. Aber das kennen wir ja schon. Es hört auch nicht mehr auf, sodass wir nur noch um die nächste Ecke in ein Restaurant gehen.
Es heißt ja immer, Alkohol wäre in Norwegen extrem teuer. Das stimmt so nicht ganz. Ein 0,33er Heineken alkoholfrei kostete 8,20 €, ein Pilz mit Alkohol NUR 90 Cent mehr. Und bei einem Burger mit Pommes für 30 € relativiert sich der Preis fürs Bier.
Der Wetterbericht für morgen verheißt auch nichts Gutes. Lassen wir uns mal überraschen.

Kristiansand – Rysstad, 09.06.26, 375 km

Manchmal kann man sich auf den Wetterbericht verlassen. Es regnet bis 10 Uhr heftig wie vorhergesagt. Danach sollen die Regenwolken in Richtung unseres Tageszieles abziehen. Taten Sie auch und wir mit gebührendem Abstand hinterher. Hat auch bis zu Nachmittag funktioniert. Die letzten 2 Stunden waren dann bei Dauerregen und zwischen 5 °C - 8 °C zum vergessen. Gefühlt floss aus jeder Felsspalte Wasser.
Trotz intensiver Recherche, die Tagsüber freie Fahrt versprach, standen wir doch auf der 42 am Sirdalsvatnet See vor einer Straßensperre und mussten gut 75 km Umweg in Kauf nehmen. Der Umweg über die 467 auf der anderen Seite des Sees war aber vom Feinsten. Rund 15 km der Strecke war eine gut zu fahrende Off-Road Piste.
Die spektakuläre Fv4224 (Lysevegen) zum Lysefjord darf auf der Motorrad-Tour nicht fehlen. Wolfgang ist die Serpentinen trotz Regen und Nebel runter und wieder rauf Gefahren und hat das obligatorische Foto vom Fjord mitgebracht. Die restliche Strecke über den Suleskardveien bis Rysstad war dann Augen zu und durch. Bei vernünftigem Motorradwetter und guter Sicht sicher ein Highlight.
Bei einem leckeren Abendessen im beschaulichen Rysstad war das beschi… Wetter schnell vergessen.

Rysstad – Laerdalsori, 10.06.26, 384 km

Um es vorwegzunehmen, es war heute überwiegend trocken. Und das lag nicht nur an den 33 Tunnels die wir heute gefahren sind. Darunter auch der Laerdalstunnel, der mit 25 km der längste Straßentunnel der Welt ist. Schön blau beleuchtet war er auch noch. Im Vallaviktunnel gibt es sogar einen blau beleuchteten Kreisverkehr.
Heute ging es auch teilweise auf über 1.000 Meter hinauf. Dort lag noch Schnee und der ein oder andere See war noch teilweise zugefroren.
Auf unserer ersten Nordkap-Tour 2016 kamen wir auch am Latefossen-Wasserfall vorbei. Aufgrund des vielen Regen in den vergangenen Tagen war der Wasserfall noch imposanter als vor 10 Jahren. Das Getöse und die Gicht kann man leider auf keinem Bild festhalten.
Trotz diverser Baustellen und einem Felssturz, der zum Glück keinen erwischt hat und auch nur die halbe Straße blockierte, lief es heute sehr gut, sodass wir schon um kurz nach vier in Laerdalsori ankamen.

Laerdalsori – Andalsnes, 11.06.26, 320 km

Was für ein toller Motorrad-Tag. Bei sonnigem Wetter ging es um halb neun los. Wir hatten uns viel vorgenommen. Wir fahren nach Øvre Årdal und steigen in die Panoramastraße Tindevegen (Fv302) ein. Um die Serpentinen mit dem Motorrad hochzufahren, sollten man kein Problem mit engen Spitzkehren haben. Ein Problem hatten wir doch. Kurz nach der ersten Kehre kam uns auf der im Prinzip einspurigen Strasse ein LKW mit Anhänger entgegen. Wolfgang fuhr so weit rechts ran wie möglich. Der LKW musste stoppen da Wolfgang durch den Anhänger fast zwischen Leitplanke und Anhänger eingeklemmt war. Mit vereinten Kräften konnten wir das Motorrad auf dem steilen Anstieg zwischen Leitplanke und Anhänger herausmanövrieren.
Der Tindevegen, eine Maut bzw. Toll-Straße, die Maut wirklich wert ist. Die Kennzeichen der Fahrzeuge werden per Kamera erfasst. An der Passhöhe steht ein Automat um die Gebühr von 60 NOK per Kreditkarte zu zahlen, indem man sein Kennzeichen vor dem Bezahlvorgang eingibt. Der Tindevegen geht bis auf über 1.300 Meter hoch und ist ca. 30 wunderschöne Kilometer lang. Es ging nahtlos auf die 55 Richtung Lom weiter. Die 55 geht bis auf 1.400 Meter hinauf und ist nicht weniger schön.
In Lom haben wir dann kurz an der Stabkirche angehalten. Stabkirchen sind die ältesten erhaltenen Holzkirchen Europas und ein einzigartiges Kulturerbe Norwegens.
Weiter ging es zum Geirangerfjord. Es lag nur ein Kreuzfahrtschiff im Fjord, sodass wir den Ort problemlos passieren konnten. Über die Adlerstraße, die ganz sicher zu den spektakulären Traumstraßen in Norwegen gehört ging es raus aus dem Fjord. Tolle Ausblicke auf den Fjord sind garantiert.
Zum Tagesabschluss dann noch der Trollstiegen, eine der spektakulärsten Passstraßen der Welt und ein Highlight der norwegischen Landschaftsroute Geiranger–Trollstigen (Fv63). Im Gegensatz zu unserer Tour 2016 hatten wir dieses Mal beste Sicht auf die Serpentinen und weit hinunter ins Tal bis nach Andalsnes.
- En virkelig flott motorsykkeldag 😊

Andalsnes – Ulsberg, 12.06.26, 331 km

Heute sind wir die Atlantikstraße (Atlanterhavsveien) gefahren, ein 8,3 km langer, spektakulärer Küstenabschnitt der Provinzstraße 64. Aber nicht nur die Küstenstraße was super. Die ganze Tagesetappe war toll. Die sehr gut ausgebauten Straßen sind schön flüssig mit dem Motorrad zu fahren. Im Prinzip könnte man fast die ganze Strecke den Tempomat auf die erlaubten 80 km/h einstellen und es laufen lassen. Die Verkehrsdichte über Land ist in Norwegen kaum erwähnenswert. Manchmal ist man 15 Minuten unterwegs, ohne dass einem auch nur ein Fahrzeug begegnet. Von daher waren wir auch schon entspannt vor 16:00 Uhr am Tagesziel. Die Aufnahme mit der Drohne von der Atlantikstraße spricht für sich. Bessere Motorrad Bedingungen gibt es nicht.

Ulsberg – Vik, 13.06.26, 420 km

Die Übernachtung bei Ulsberg war in einer ehemaligen Schule, die zum Gästehaus umgebaut wurde. Das Haus lag abseits der üblichen Touristenrouten irgendwo im Nirgendwo. Es herrschte absolute Ruhe. Das liebevoll hergerichtet reichhaltige Frühstück ließ keine Wünsche offen.
Wenn wir weiter so kreuz und quer durch Norwegen fahren, würden wir nie ans Nordkap kommen. Von daher war Strecke machen angesagt. Die 420 km liefen super und die reine Fahrtzeit betrug nur gut 6 Stunden. Einen guten Teil ging es über die Europastraße E6, vergleichbar mit unseren Bundesstraßen, und Verbindungsstraßen wie die sehr zu empfehlende Fv17 entlang der Atlantikküste. In Holm am Lysfjord mussten wir dann noch eine Fähre nach Vennesund nehmen. Die wartet sozusagen auf uns und es ging gleich los.
Insgesamt kann man sagen, dass selbst Mitte Juni noch Vorsaison ist. Die Fähren hatten alle noch reichlich Platz. Hotels und Gästehäuser boten noch reichlich freie Kapazitäten. Die für Norwegen typischen und beliebten Hytter waren ebenfalls nicht ausgebucht.
Die Landschaft nördlich von Trondheim im Landesinneren erinnert einen an das Allgäu. Sattes Grün, hügelige Landschaft und Seen. Zum Schluss entlang der Atlantikküste war dann noch das Sahnehäubchen auf einen tollen Motorradtag. So kann es weitergehen. Übrigens, das erste Rentier lief uns heute auch über den Weg. Das hatte aber keine Zeit für ein Foto.
Am Rande angemerkt: In Supermärkten darf Alkohol bis 4,7 Vol.-% Alkoholgehalt (Bier) an Wochentagen nur bis 20 Uhr und samstags nur bis 18 Uhr verkauft werden. Sonntags generell nicht. 

Vik – Kildal, 14.06.26, 384 km

Ursprünglich hatte wir die heutige Etappe mit 5 Fährverbindungen geplant. Die Zeit zwischen der ersten und der zweiten Fähre schien uns aber zu knapp. Hätten wir die zweite Fähre verpasst wäre aus dem 9-Stunden-Tag ein 11-Stunden-Tag geworden. Daher hatten wir uns entschlossen die beiden ersten Fähren zu umfahren was einen Umweg von ca. 70 km bedeutet.
Der Umweg über die Fv76 auf der Südseite des Velfjord und des Heggfjord zur E6 war vom Feinsten und eine sehr gute Entscheidung. Eine Empfehlung für jeden Motorradfahrer. Auf dem ca. 85 km langen Abschnitt kamen uns keine 10 Fahrzeuge entgegen.
Nach einem kurzen Stück über die E6 und der Fv78 am Vefsnfjorden entlang sind wir wieder auf der Fv17.
Die Fähre in Levang konnten wir sogar eine Stunde früher nehmen als geplant. Mit der Fähre von Kilboghamn nach Jektvik war das auch so. Nur leider kehrte die auf halber Strecke wegen einer defekten Benzinpumpe wieder zurück. Die Reparatur ging verhältnismäßig zügig, sodass es mit einer Verzögerung von ca. 2,5 Stunden weiter ging.
Entsprechend konnte wir die letzte Fähre des Tages von Fähre Ågskaret - Forøy erst um 18 Uhr, ca. 1,5 Stunden später als geplant nehmen. Am guten Ende war es dann doch ein 11-Stunde-Tag.
Im Übrigen verläuft genau auf dieser Strecke zwischen Kilboghamn und Jektvik während der Fährüberfahrt der Polarkreis. Und wir haben es nicht mal gemerkt.
Trotz allem ein sehr schöner Motorrad-Tag.
Übernachten werden wir in einem Kuhstall. Gut, ehemaligen Kuhstall. Diese Unterkunft in Kildal am Bjærangfjorden ist das Highlight des Tages. Ferienwohnung/Studio mit Blick auf den Fjord und top ausgestattett.
Wenn Norwegen nicht so weit weg wäre, müsste man hier öfters hin.

Kildal – Narvik, 15.06.26, 452 km

Die norwegische Küstenstraße Fv17 (Fylkesvei 17), auch als Kystriksveien bezeichnet, ist rund 650 Kilometer lang. Die Straße landet in meinem persönlichen Ranking der Küstenstraßen auf Platz 1, vor der kroatischen Küstenstraße Jadranska Magistrala (Nationalstraße D8) oder dem Highway No1 in Californien. Eine Traum-Küstenstraße nicht nur für Motorradfahrer.
An der Fv17 liegt auch der Svartisen, mit ca. 370 km² der zweitgrößte Gletscher Norwegens.
Die restliche Strecke bis Narvik verlief dann wieder auf der E6. Spätestens ab der Fähre Bognes nach Skarberget im Tysfjord hatte die Europastraße 6 eher nur noch den Charakter einer Landstraße. Von dort hatte man auch einen tollen Blick auf den nördlichen Teil der Lofoten. Die E6 ist teilweise für PKW und LKW mautpflichtig. Auf den Anschnitten der E6, auf denen wir unterwegs waren, wurde keine Maut für Motorräder fällig. 😊
Ich hätte nicht gedacht, dass wir die 33 Tunnel, die wir auf der Etappe von Rysstad nach Laerdalsori hatten, nochmal auch nur annähernd erreichen. Doch es waren heute laut der Kurviger App wieder 33 Stück.

Narvik – Sorkjosen, 16.06.26, 314 km

Bei bestem Wetter und einem ausgiebigen Frühstück starten wir heute um 9 Uhr. Es geht weiter über die E6 unserem Ziel Nordkap entgegen. Vor Bardufoss verlassen wir jedoch die E6 und fahren auf der Fv87 bis Overgrad wo wir wieder auf die E6 treffen. Die ca. 75 km durch die norwegische Wildnis haben sich gelohnt. Viel Wald, Landwirtschaft, Flüsse und Seen sowie einige kleinere Ansiedlungen.
Auf der E6 bieten sich immer wieder tolle Blicke auf diverse Fjorde und die Berge. Auf dem Stück der E6 von Skibotn nach Løkvollen fahren wir nicht durch den Tunnel, sondern nehmen die Strecke am Fjord entlang. Das Stück um den Tunnel zu umfahren wird sicher nicht mehr lange befahrbar sein. Diverse größere Felsbrocken lagen auf der Straße und Bäume wachsen schon bis auf die Straße.
Nach einem erneut tollen Motorrad-Tag sind wir schon um kurz nach 3 Uhr an unserer Unterkunft in Sorkjosen. Die Gastgeberin war so nett und hat uns einen Wasserschlauch sowie einen Eimer mit heißem Wasser zur Verfügung gestellt, um unsere Motorräder zu waschen. Die hatten es wirklich nötig.
Warnschilder vor Elchen stehen seit Tagen hinter jeder Kurve. Nur der, um den es geht, lässt sich nicht blicken.

Sorkjosen – Storbukt, 17.06.26, 368 km

Das schöne Wetter macht leider Pause. Im Vergleich zur Nordkap-Tour 2016 war die Sicht aber noch gut. Unser erster Haltepunkt ist die Gildetun Gjestestue. Dort steht ein außergewöhnlicher Wegweiser. Vor 10 Jahren waren wir bei sehr schlechter Sicht schon mal dort. Der Wegweiser hat offensichtlich den meist widrigen Wetterbedingungen standgehalten. Gewünscht hätten wir uns natürlich einen blauen Himmel als Hintergrund. Die KI zeigt wie wir es gerne gehabt hätten.
Zu den Warnschildern vor Elchen kamen auch noch Warnungen vor Rentieren hinzu. Die ließen sich auch mehrfach blicken und fotografieren.
Zum Tagesabschluss fahren wir noch durch den Nordkap Tunnel. Der verläuft 212 Meter unter der Meeresoberfläche. Auf der Tour zum Nordkap haben wir in Norwegen insgesamt 156 Tunnel durchquert. Die Tunnel waren alle gebührenfrei. Wir hatten auch gebührenfreie Fähren. Meistens konnten wir jedoch auf der Fähre per Kreditkarte zahlen. Ohne Kreditkarte geht in Norwegen sozusagen nichts. Wir haben kein Bargeld benötigt.
Morgen wollen wir um 04:30 Uhr zum Nordkap um außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten mit dem Motorrad bis zur Weltkugel vorzufahren um das obligatorische Foto zu machen.

Nordkap, 18.06.26, 64 km
Heute war es soweit. Wir haben unser Foto von der Nordkap-Weltkugel mit Motorrad. Um 04:30 Uhr, nach einem Kaffee zum Wachwerden, machen wir uns auf den Weg. Nach gut 30 km bei 5° C und teilweise starkem Wind sind wir um kurz nach 05:00 Uhr am Ziel. Das Kassenhäschen ist nicht besetzt und wir können bis an die Weltkugel vorfahren. Wir haben das Nordkap Plateau für uns alleine und können in aller Ruhe Fotos machen. Den erhofften blauen Himmel mit Sonne als Hintergrund hatten wir leider nicht. Wir planen daher morgen einen neuen Versuch zu starten bevor wir die Heimreise Richtung Süden antreten.

Storbukt – Nordkap – Saariselka, 19.06.26, 483 km

Eigentlich hatten wir gestern Abend beschlossen doch nicht nochmal zum Nordkap zu fahren. Der Wetterbericht sagte das gleiche Wetter wie gestern voraus. Als dann doch nachts um eins die Sonne schien und die Webcam vom Nordkap ebenfalls blauen Himmel zeigte, sind wir spontan nochmal hin. Super Wetter und super Sicht. Das hat sich unbedingt gelohnt. Vorfahren mit dem Motorrad war heute aber nicht möglich. Als wir um 2 Uhr dort ankamen, wurden wir auf den Parkplatz geleitet und mussten 60 NOK Parkgebühr bezahlen. Als wir um 02:45 wieder zurückfuhren, war man dabei die Kasse zu schließen. Es ist zu vermuten, dass zwischen 3 Uhr und 5 Uhr nachts die Zufahrt zur Weltkugel mit Motorrad möglich ist.
Wir haben uns dann nochmal drei Stunden geschlafen, um gut ausgeruht den Weg Richtung Heimat anzutreten.
Entlang des Porsangerfjord folgen wir der Küstenstraße bis Lakselv. Ab da ändert sich die Landschaft und die Strecke deutlich. Es geht mehr oder weniger geradeaus durch endlose Wälder vorbei an schönen Flüssen und Seen. Trotz, dass man uns durch den Wechsel in eine andere Zeitzone in Finnland eine Stunde gestohlen hat, erreichen wir schon um 16:00 Uhr unser Hotel in Saariselka, in Finnlands nördlichstem Skigebiet.
Unterwegs in Karasjok besuchen wir noch ein Sami Museum. Das ist vorübergehend wegen Reparaturarbeiten geschlossen. Das Freilichtmuseum war aber frei zugänglich.

Saariselka – Kemi, 20.06.26, 375 km

Ist denn heute schon Weihnachten? Nein, aber wir nutzen die Gelegenheit aus dem finnischen Weihnachtsdorf in Rovaniemi Postkarten vom Weihnachtsmann zu verschicken. Es soll eine Überraschung werden, sodass wir nicht verraten, wer eine Postkarte bekommt. So ganz nebenbei liegt auch noch der Polarkreis auf dem Gelände des Weihnachtsdorfes.
Die heutige Strecke über die E75 ähnelte sehr der von gestern. Relativ geradeaus, vorbei an Seen und Flüssen. Mehrfach standen Rentiere auf der Straße oder am Straßenrand und zogen in aller Gemütsruhe ihres Weges. Die Verkehrsdichte war ebenfalls wie gestern. Kaum vorhanden. Tempomat rein und laufen lassen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 82 km/h.

Kemi - Jyväsylä, 21.06.26, 444 km

Der heutige Tag ist schnell erzählt. Es ging weiter über die E75 Richtung Oulu an der Küste (Bottnischer Meerbusen) entlang. Dann ging es weg von der Küste durch die finnische Einsamkeit bis nach Jyväsylä. Jetzt gab es nicht nur Wälder, Seen und Flüsse, sondern auch Landwirtschaft. Dafür keine Rentiere mehr. Elche sowieso nicht.
Jyväsylä war dann eine Überraschung. Eine Universitätsstadt mit rund 150.000 Einwohner schön an einem der vielen finnischen Seen gelegen. Die Fußgängerzone lud bei 25 °C zu einer Pizza auf der Außenterrasse ein. Anschließend noch ein Absacker-Bier im English-Pub.

Jyväsylä - Helsinki, 22.06.26, 272 km

Nach Helsinki folgen wir zunächst weiter der E75. Vor Lahti biegen wir auf die 140 ab die in die Stadt führt. Ein Besuch der Skisprungschanzenanlage in Lahti ist natürlich obligatorisch. Weiter geht es über die 140 die parallel zur E75 verläuft nach Helsinki. Insgesamt kann man sagen, dass man in Finnland total entspannt Motorradfahren kann. Auch die Landschaft hat ihren Reiz und ist durch die vielen Seen und Flüsse abwechslungsreich. Wer Kurven sucht, ist in Finnland falsch.
Da wir schon kurz nach eins im Hotel einchecken konnten, blieb noch Zeit für eine kurze Stadbesichtigung und einen Besuch der Festung Suomenlinna, die auf einer vorgelagerten Insel liegt.
Unser Abendessen war heute Street Food. Am Hafen boten diverse Stände unter anderem Fisch und Rentier an. Lecker !
Das Finnland die Liste der Top-Länder im World Happiness Report anführt lässt sich nachvollziehen.

Helsinki - Tallinn, 23.06.26, (Fähre)

Wir nehmen die Fähre um 10:30 Uhr nach Tallinn in Estland. Die Überfahrt bei bestem Wetter und Null Seegang dauert nur 2 Stunden. Wir haben Glück und können schon um 13:00 Uhr im Hotel einchecken und haben noch reichlich Zeit für eine Stadtbesichtigung.
Tallinn ist eine schöne und belebte Stadt und hat ca. 450.000 Einwohner, was in etwa ein Drittel der gesamten Bevölkerung ausmacht. Es waren viele Touristen aus aller Herren Länder unterwegs, was wohl mit dem Kreuzfahrtschiff zusammenhing, welches im Hafen lag. Gegen Abend war die Stadt wieder relativ leer. Nur das Restaurant nicht, welches wir ausgesucht hatten. Elch stand auf der Speisekarte und das Gericht wollten wir unbedingt probieren. Eine gute Entscheidung. Sehr lecker und ein sehr guter und netter Service noch dazu.

Tallinn - Riga, 24.06.26, 310 km

Bei Regen und 14 ° C starten wir nach Riga in Lettland. Leider müssen wir genau durch ein durchziehendes Regengebiet, dass uns für gut 3 Stunden Dauerregen beschert. Kaum sind wir losgefahren landen wir in einer allgemeinen Verkehrskontrolle. Wir müssen einen Alkoholtest machen. Für uns beide jeweils das Allererste mal. Gestern, am 23. Juni, feiert man in Estland den Siegestag, der an den entscheidenden Sieg der estnischen Streitkräfte über die deutsche Landeswehr im Jahr 1919 erinnert. Vermutlich wird der feuchtfröhlich gefeiert.
Die 310 km nach Riga liefen sehr gut. Die Verkehrsdichte ist etwas höher als in Norwegen oder Finnland, aber bei weitem kein Vergleich zu Deutschland.
Der Check-in war auch heute am frühen Nachmittag sodass noch genügend Zeit blieb sich die Stadt, die wirklich sehenswert ist, anzusehen.
Zum Abendessen waren wir in einem Brauhaus. Die Spareribs waren hervorragend, genauso wie sie sein müssen und Bier gab es wieder zu zivilen Preisen. Alkoholfreies hatten sie aber keins. Dafür gibt es einen Punktabzug.

Riga – Vilnius - Alytus, 25.06.26, 390 km


Weiter geht es Richtung Heimat. Unser heutiges Zwischenziel ist Vilnius, die Hauptstadt von Litauen. Bis nach Panevėžys geht es über die E67, die einer Bundesstraße gleicht. Weiter nach Vilnius geht über die Autobahn ähnliche E272. Google bestätigt unseren Eindruck, dass Vilnius mit rund 600.000 Einwohner die größte der 3 baltischen Hauptstädte ist. Wir gönnen und dort ein leckeres Eis und fahren durch die Stadt Richtung Alytus. Über die 220 geht es rund 75 sehr schöne Kilometer durch die litauische Provinz. Hier scheint in verschiedenen Orten die Zeit stehen geblieben zu sein. Wir sehen diverse bewohnte Storchennester. Auf unsere ersten gemeinsamen "Masuren" Tour 2012 haben wir die vergeblich gesucht. Mit dem Elch wird es aber auch dieses Mal nichts werden. Es gibt nicht mal mehr Elch-Warnschilder. Auf jeden Fall sind die drei baltischen Länder eine Reise wert. Die Länder wären sicher auch wunderbar zum Enduro-Wandern.

Alytus - Lowicz, 26.06.26, 433 km

Bei noch angenehmen 20 ° C starten wir Richtung Polen. An der Grenze bekommen wir zunächst mal die in Finnland gestohlene Stunde zurück. Mit den Temperaturen geht es im Laufe des Vormittags aber stetig bergauf und erreich auf dem Autobahnring bei Warschau seinen Höhepunkt bei 38 °C. Da hört der Spaß dann so langsam auf. Und dann kam noch das, was wir die letzten 20 Tage nicht vermisst haben. Stau und das nicht zu knapp. Auch auf den Nebenstrecken im Großraum Warschau ging es nur schleppend voran. Als Entschädigung hatten wir dafür das bisher schönste und gleichzeitig auch das günstigste Hotel auf der ganzen Reise. Auch die Küche des Hauses konnte sich sehen lassen.

Lowicz - Bautzen, 27.06.26, 492 km

Eine weitere Hitzeschlacht stand an. Wenn einem am Nachmittag bei 39 °C der Wind in den Helm bläst, wünscht man sich zumindest einen Helm mit eingebauter Kühlung. Ist vielleicht für die Zukunft eine Marktlücke.
Irgendwann geht jede Motorradtour zu Ende. Morgen trennen sich unsere Wege. Wolfgang fährt nach Süden und ich nach Westen. Um der vorausgesagten Hitze aus dem Weg zu gehen, will ich zwischen 4 Uhr und 5 Uhr starten.
Im "Alter Bierhof" in Bautzen gehen wir zum Abschluss der Tour Essen. Eine schöne Gastwirtschaft mit Ambiente.
Es war eine schöne aber auch anstrengende Tour. Im Durchschnitt sind wir täglich 350 km gefahren. Wenn das Wetter zu Beginn der Tour auch mehr als bescheiden war, hatten wir dieses Mal Glück. Die Küste Norwegens war schon toll bei blauem Himmel und guter Sicht. Am Nordkap blieb uns das Glück ebenfalls treu. Finnland hatte auch seinen Reiz und von Moskitos blieben wir verschont. Die baltischen Staaten waren ebenfalls die Reise wert.
Alles verlief wieder reibungslos und wie geplant. Ein großer Dank an Wolfgang, der die komplette Routenplanung übernommen hat und bei der Wahl der Unterkünfte ein gutes Händchen hatte.


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